Was ist ein Hirschfänger und welches Trachtenmesser trägt man eigentlich zur Lederhose?

Was ist ein Hirschfänger und welches Trachtenmesser trägt man eigentlich zur Lederhose?

Der traditionelle Hirschfänger ist der Vorfahre der heutigen Trachtenmesser und Nicker. Freunde der Jagd werden sich nicht die Frage stellen müssen, was denn eigentlich ein Hirschfänger ist. Dennoch wollen wir hier erläutern, worum es sich dabei handelt.

Wer heute einen Hirschfänger sucht, der meint eigentlich meistens ein passendes Messer zur Lederhose. Denn ein „echter“ Hirschfänger hat eine Klinge mit einer Länge von 30 bis 50 cm und ist damit viel länger als ein Trachtenmesser. Dieses wird hauptsächlich als Brotzeitmesser verwendet, während der Hirschfänger in der Jagd seine Anwendung findet.

  Hirschfänger Trachtenmesser
Einsatzzweck Jagd Brotzeit, Accessoire zur Tracht
Klingenlänge 30 bis 50 cm Max. 12 cm
Messerspitze rund spitz
Klingenbreite > 4 cm < 2 cm

Die Geschichte der Hirschfänger

Historisch gesehen war der Hirschfänger ein Abfangmesser und stellte eine Zweitwaffe des Jägers dar. Die Stichwaffe  entwickelte sich aus dem Jagddegen heraus und galt als Ehrenwaffe des Jägers. Zusätzlich verfügte der Jäger meist noch über einen sogenannten Jagdnicker, ein kleines Jagdmesser.

Der Hirschfänger ähnelt dem Saufänger, welcher breiter und schwerer ist und für Schwarzwild verwendet wurde. Früher wurde ein Hirschfänger dem Jäger nach dessen dreijähriger Jagdausbildung überreicht. Mit dem zunehmenden Aufkommen und auch wachsender Präzision von Jagdgewehren nahm die Bedeutung von Hirschfängern und Saufängern stetig ab. Heute beschränkt sich der Hirschfänger hauptsächlich auf seinen Symbolcharakter als Ehrenwaffe des erfolgreichen Jägers.

Woher kommt der Name „Hirschfänger“?

Seinen Namen hat der Hirschfänger seiner ursprünglichen Verwendung zu verdanken: er diente nämlich dazu, schweres Schalenwild, wie Rotwild, einen mächtigen Hirsch oder Damwild abzufangen und diesem einen tödlichen Stoß zu versetzen. Ein sogenannter Nicker – in etwa der kleine Bruder des Hirschfängers - diente demselben Zweck, jedoch für kleineres Wild. Heute sind diese Praktiken längst überholt und nicht mehr Teil einer modernen Jagdausbildung.

Die Klinge des Hirschfängers hat eine mittig sitzende Spitze. Eine Blutrinne ergänzt dabei die beidseitig geschliffene Klinge. Die Spitze ist zudem rund und nicht spitz geschliffen. Dadurch bleibt sie beim Eindringen in das Tier nicht im Knochen hängen und ist somit speziell für das Abfangen von Wild geeignet.

Was kostet ein Hirschfänger oder Trachtenmesser?

Hirschfänger werden in unterschiedlichen Preisspannen angeboten. Häufig gibt es sie schon ab 70 Euro. Die deutsche Firma Linder aus Solingen beispielsweise bietet Hirschfänger im unteren Preissegment an. Die Griffe sind dabei meist aus Olivenholz oder Hirschhorn. Hirschfänger des spanischen Messerherstellers Muela sind schon etwas teurer und beginnen bei rund 170 Euro. Wer einen hochwertigen Hirschfänger mit edler Optik und Hirschhorngriff sucht, der wird bei der Firma Puma fündig. Die Preise beginnen dort bei ca. 180 Euro.

Zu beachten: Bei Hirschfängern und Trachtenmessern kann es sowohl in Material und Qualität als auch in der Klingenlänge teils erhebliche Unterschiede geben. Auch darf man in Deutschland nicht jedes Messer in der Öffentlichkeit mit sich führen. Laut dem Trageverbot nach §42a WaffG dürfen feststehende Messer mit einer Klingenlänge von über 12 Zentimetern nicht in der Öffentlichkeit getragen werden.

Wofür nutzt man ein Trachtenmesser?

Heutzutage werden Hirschfänger eher zu repräsentativen Zwecken an der Jagduniform oder in der Seitentasche der Lederhose getragen. Doch ein elegantes Trachtenmesser kann mehr als nur gut aussehen.

Einsatzmöglichkeiten von Trachtenmessern:

  • Brotzeitmesser zum Schneiden von Wurst, Käse und Brot
  • Zum Schnitzen
  • Accessoire zur Lederhose
  • Symbolcharakter und Signalisierung der Zugehörigkeit zu einem Jagdverein

Pflegetipps für Trachtenmesser & Hirschfänger

Damit ein Trachtenmesser seinen Glanz behält und die Freude am Schmuckstück lange währt, ist die richtige und regelmäßige Pflege entscheidend. Griff und Klinge werden mit einem feuchten Tuch behandelt und von Schmutz befreit. Anschließend sollte man das ganze Messer mit einem Tuch trocknen.

Auf keinen Fall solltest du dein Trachtenmesser in die Spülmaschine geben oder mit aggressiven Spülmitteln säubern. Diese greifen Klinge und Griff und sorgen dafür, dass Glanz, Farbe und Haltbarkeit verloren gehen. Wenn du dein Trachtenmesser nicht benutzt, solltest du es an einem trockenen Ort aufbewahren (z. B. in einer Schublade). Halte das Messer jedoch fern von direkter Hitze wie von einem Ofen oder Heizkörper. Durch die hohe Temperatur könnten sich sonst Risse im Griff bilden.

Messer müssen von Zeit zu Zeit nachgeschliffen werden, auch beim Hirschfänger oder Trachtenmesser ist das nicht anders. Verliert die Klinge an Schärfe, solltest du sie mit einem Schleifstein und Wasser mit Hand nachschleifen. Regelmäßiges Abziehen hält die Klinge zudem länger scharf. Solltest du keine Erfahrung im Schleifen von Messern haben, solltest du die Dienste eines Fachmanns in Anspruch nehmen.


FAQ

Ja, Hirschfänger sind erlaubt. Denn er ist vor dem Gesetz seinem Wesen nach nicht dazu bestimmt, unter unmittelbarer Ausnutzung der Muskelkraft durch Hieb, Stich, Stoß, Schlag oder Wurf Verletzungen beizubringen.
Der Hirschfänger wird beim Jagen für das “Abfangen” - den Todesstoß - für das Wild verwendet. Er ist immer griffbereit in jeder Lederhose auf der rechten Seite in einer kleinen Tasche verstaut.

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